Elena von Metzler und Dr. Marco Henry Neumueller

Elena von Metzler im FiFo Talk: „Erst wenn man etwas selbst erlebt, versteht man wirklich, was es bedeutet“

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Elena von Metzler ist Miteigentümerin und Mitglied des Aufsichtsrats der B. Metzler seel. Sohn & Co. Aktiengesellschaft in Frankfurt am Main.

Marco Henry Neumueller: Elena, Du bist Vertreterin der 12. Generation im traditionsreichen Bankhaus Metzler und seit 2022 Gesellschafterin und Aufsichtsratsmitglied des Hauses. Wie hat dein Weg ins Familienunternehmen geführt, und welche Erfahrungen aus früheren Stationen prägen deinen Blick auf das Bankgeschäft?

Elena von Metzler: Mein Weg ins Familienunternehmen war nicht von Anfang an vorgezeichnet. Unsere Eltern haben uns immer gesagt: „Ihr müsst eure Berufung finden.“ Ihnen war wichtig, dass wir etwas machen, das uns wirklich Freude bereitet. Deshalb habe ich mich zunächst auch außerhalb des Bankhauses nach einer anderen beruflichen Perspektive umgeschaut.

Bevor ich vor rund zehn Jahren zu Metzler kam, war ich einige Jahre in der Industrie tätig. Dort habe ich sehr gerne gearbeitet. Gleichzeitig wurde die Frage für mich immer wichtiger, ob nicht auch ein Weg in unser Familienunternehmen der richtige sein könnte.

Der entscheidende Moment kam schließlich im Traineeprogramm im Bankhaus. Als ich die Bank aus der Innenperspektive kennenlernen durfte, wurde mir zum ersten Mal richtig bewusst, was für ein Privileg es ist, in einem Umfeld zu arbeiten, dessen Werte und Moralvorstellungen ich zu 100 Prozent teile. Das prägt meinen Blick auf das Bankgeschäft bis heute und motiviert mich jeden Tag aufs Neue. Für mich war das auch eine wichtige Erfahrung: Erst wenn man etwas selbst erlebt, versteht man wirklich, was es bedeutet.

Marco Henry Neumueller: Metzler prägte mit dem Begriff „metzlern“ einst ein Netzwerkverständnis aus gesellschaftlichem Engagement. Welche Rolle spielen diese Werte heute für dich und das Bankhaus, und wie verbindest du Traditionsbewusstsein mit modernen Innovationen?

Elena von Metzler: Werte spielen für den nachhaltigen Erfolg unseres Bankhauses eine tragende Rolle. Sie sind Fundament und Rahmen unseres unternehmerischen Handelns und Denkens. Dass das Bankhaus Metzler seit über 350 Jahren besteht, ist aus meiner Sicht ganz wesentlich diesem Wertefundament zu verdanken: Unabhängigkeit, Unternehmergeist und Menschlichkeit. Diese Werte geben Orientierung – für die Familie, für den Aufsichtsrat, für den Vorstand und für alle Kolleginnen und Kollegen.

Dieses Bewusstsein bedeutet für mich aber nicht, einfach nur zurückzuschauen. Natürlich haben wir großen Respekt vor dem, was unsere Vorfahren geleistet haben, und empfinden Demut angesichts der Aufgabe, die uns übergeben wurde. Unsere Verantwortung besteht jedoch auch darin, diese Werte immer wieder neu in die Gegenwart zu übersetzen und für die Zukunft auszurichten. Genau darin liegt für mich die Verbindung von Tradition und Innovation.

Und auch das, was man früher als „metzlern“ bezeichnet hat, ist für mich bis heute relevant: Beziehungen pflegen, Verantwortung übernehmen, sich für die Gemeinschaft einbringen und Dinge aktiv mitgestalten.

Marco Henry Neumueller: Das Bankhaus Metzler hat „Blockchain“ als strategisches Zukunftsthema ausgerufen. Wie bewertest du die Bedeutung von Digitalisierung und neuen Technologien für Metzler, und wie gelingt der Spagat zwischen technologischem Fortschritt und persönlicher Kundenansprache?

Elena von Metzler: Digitalisierung und neue Technologien sind für uns dann wichtig, wenn sie zu unserem Geschäftsmodell, zu unserem Risikobewusstsein und zu unserer langfristigen Ausrichtung passen. Ein gutes Beispiel dafür ist unser Kompetenzzentrum für Digitale Assets, Künstliche Intelligenz und Prozessinnovation, Metzler DX. Wir haben die Blockchain und das Digital-Assets-Ökosystem als strategische Zukunftsthemen identifiziert, weil wir überzeugt sind, dass diese Technologien für die Finanzwelt langfristig relevant sind.

Gleichzeitig folgen wir bewusst nicht jedem Trend. Schnelle Gewinne sind nicht das, wofür wir stehen. Dank unserer Unabhängigkeit können wir Entwicklungen sehr genau prüfen und nur dort aktiv werden, wo wir langfristigen Mehrwert sehen.

Der Spagat gelingt aus meiner Sicht dann, wenn Technologie kein Selbstzweck ist. Sie soll Prozesse verbessern, Zugänge erleichtern und Kunden neue Möglichkeiten eröffnen. Technologische Entwicklung muss deshalb immer mit persönlicher Nähe und individueller Betreuung zusammengedacht werden.

Marco Henry Neumueller: Du hast betont, dass junge Kundengenerationen zwar digitale Portale erwarten, aber weiterhin persönlichen Austausch suchen. Wie gestaltet ihr das Kundenerlebnis an der Schnittstelle von Online-Zugängen und individueller Beratung?

Elena von Metzler: Wir möchten frühzeitig mit der jüngeren Generation ins Gespräch kommen und uns mit ihren Interessen und Bedürfnissen auseinandersetzen. Natürlich erwarten junge Kundengenerationen digitale Zugänge und nutzerfreundliche Lösungen. Damit müssen wir uns beschäftigen, und das tun wir. Digitalisierung ist für uns jedoch kein Ersatz für persönlichen Austausch.

Unser Geschäft ist in allen vier Geschäftsfeldern sehr langfristig ausgerichtet. Wir wollen Kunden nicht auf schnelle Weise gewinnen, sondern Beziehungen aufbauen, die tragen – am besten über Generationen hinweg. Ein gutes Kundenerlebnis bedeutet für uns deshalb: digitale Zugänge dort, wo sie sinnvoll sind, aber immer verbunden mit individueller Betreuung, persönlicher Ansprache und echtem Interesse am Menschen.

Marco Henry Neumueller: Dein Bruder Franz beschreibt dich als „Aufsichtsrätin und Gesellschafterin“ sowie wichtige Botschafterin des Hauses. Wie definierst du in dieser Doppelrolle den Rahmen für die Zusammenarbeit mit dem Vorstand, und welche Erwartungen hast du an die Geschäftsführung von Metzler?

Elena von Metzler: Mir ist dabei die Nähe zur Bank besonders wichtig. Ich muss das Unternehmen kennen und wissen, was unsere Kunden sowie unsere Kolleginnen und Kollegen beschäftigt. Deshalb bin ich regelmäßig im Haus, begleite Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Kundenterminen und möchte Menschen für die Bank begeistern.

In dieser Doppelrolle geben unsere Werte für mich den Rahmen vor. Für die Zusammenarbeit mit dem Vorstand bedeutet das für mich vor allem, dass es nie um einzelne Personen, sondern immer um die Sache, um die Bank, geht. Entscheidend ist für mich, sich selbst nicht in den Mittelpunkt zu stellen, sondern im Interesse des Hauses zu handeln, damit es langfristig bestehen kann.

Marco Henry Neumueller: Dein Bruder lobt dich als „gesuchte Gesprächspartnerin für Familienunternehmer“. Wie pflegst du die Beziehungen zu anderen Unternehmerfamilien, und welchen Nutzen ziehen Metzler und die Kunden aus diesem Netzwerk?

Elena von Metzler: Was ich an meiner Arbeit besonders schätze, ist der Aufbau langfristiger Beziehungen. Denn gerade dann, wenn Menschen miteinander ins Gespräch kommen, entsteht oft etwas Wertvolles. Wenn wir mit Unternehmerfamilien sprechen, geht es häufig um Fragen, die auch uns selbst beschäftigen: Wie bewahrt man Werte über Generationen hinweg? Wie bleibt ein traditionsreiches Unternehmen offen für Veränderung? Und wie macht man ein Unternehmen für die nächste Generation attraktiv?

Darin liegt für mich ein echter Mehrwert auf beiden Seiten: Wir können unsere Erfahrungen einbringen und bleiben zugleich sehr nah an den Themen, Erwartungen und Herausforderungen unternehmerisch denkender Menschen. Für ein unabhängiges, langfristig orientiertes Bankhaus ist das enorm wertvoll. Es schafft Vertrauen, vertieft das gegenseitige Verständnis und hilft auch dabei, uns als Bankhaus selbst weiterzuentwickeln.

Marco Henry Neumueller: Liebe Elena, ganz herzlichen Dank für dieses offene Gespräch.