Digitale Transformation in Familienunternehmen

Digitale Transformation: Etwa die Hälfte der Familienunternehmen fühlen sich nicht gut vorbereitet

Veröffentlicht von

Eine aktuelle Studie des Institut für Familienunternehmen der WHU – Otto Beisheim School of Management mit dem Titel „Digitale Transformation im Mittelstand und in Familienunternehmen“ zeichnet ein eher nüchternes Bild.

Zusammenfassend kommt die Studie zu der Erkenntnis, dass sich die Unternehmen mittelmäßig vorbereitet einschätzen. Insbesondere bereite ihnen der Mangel an digital-affinen Fachkräften große Sorgen.

Die Studie berücksichtigt, dass sich die digitale Transformation in drei unterschiedliche Phasen gliedern lässt, die für einen bestimmten digitalen Reifegrad der Unternehmen stehen. Phase 1 beschreibt die Digitalisierung der technischen Infrastruktur (engl. digitization), die das technische Fundament legt. Hierzu gehört beispielsweise die Digitalisierung analoger Daten und die Einbindung von Software und Hardware in die operativen Prozesse. In Phase 2, die sogenannte Schnittstellendigitalisierung (engl. digitalization), geht es darum, die Berührungspunkte zu Stakeholdern (Kunden, Lieferanten etc.) zu digitalisieren und das Unternehmen im Sinne der Konnektivität weiterzuentwickeln. Phase 3 beschreibt die Digitalisierung des Geschäftsmodells (engl. digital transformation). Hier wird eine ganzheitliche digitale Transformation des Unternehmens angestrebt.

Obwohl die spezifischen Charakteristika von Familienunternehmen (Langfristorientierung, kurze Entscheidungswege, generationenübergreifedes Unternehmertum) helfen, an der digitalen Transformation zu arbeiten und die befragten Familienunternehmen mehrheitlich bereit sind (63 Prozent) Risiken einzugehen, bestätigt nur etwa die Hälfte der Familienunternehmen (54,8 Prozent stimmen „zu“ oder „vollkommen zu“), dass sie sich als Familienunternehmen auf die Herausforderungen der digitalen Transformation gut vorbereitet fühlen.

„Was heute im öffentlichen Diskurs nahezu omnipräsent erscheint, hat lediglich eine Minderheit der Familienunternehmen in Deutschland im Einsatz.“

Prof. Dr. Nadine Kammerlander, Inhaberin des „Lehrstuhl für Familienunternehmen“ der WHU

Insbesondere die faktische Einbindung von Technologien weise noch viel Potenzial auf und sei noch nicht auf dem Stand, der für eine konsequente Transformation nötig wäre. Dies gelte insbesondere für wichtige Zukunftstechnologien wie beispielsweise Blockchain, künstliche Intelligenz, Big Data oder Industrie 4.0. Teilweise liegt die Einsatzquote lediglich im einstelligen Prozentbereich.

Nutzung von digitalen Technologien im Alltagsgeschäft von Familienunternehmen
Quelle: Soluk J, Kammerlander N (2020): Digitale Transformation im Mittelstand und in Familienunternehmen. Vallendar: WHU, Institut für Familienunternehmen, S. 35

Die Studie liefert auch die Gründe, die als „hemmende Einflussfaktoren“ den digitalen Transformationsprozess abbremsen können: Paternalistisches Führungsverhalten, das Fehlen eines einheitlichen Verständnisses zur digitalen Transformation, Widerstände gegen Veränderungen in der Belegschaft, eine digitalisierungsunfreundliche Unternehmenskultur, statische Strukturen im Unternehmen und der Mangel an spezialisierten Fachkräften.

Kommentar verfassen