Dr. Marco Henry Neumueller auf den Starnberger See Gesprächen

Marco Henry Neumueller bei den Starnberger See Gesprächen: Mut, Innovation und die Zukunft der deutschen Wirtschaft

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Marco Henry V. Neumueller, Equity Partner bei ODGERS und Gründer der Plattform „Familienunternehmen im Fokus (FiFo)“, nahm an den Starnberger See Gesprächen 2026 der Steinbeis Augsburg Business School teil. Unter dem Leitmotiv „Das Comeback der deutschen Wirtschaft?“ kamen Führungspersönlichkeiten aus Wirtschaft und Gesellschaft zusammen, um über zentrale Zukunftsfragen des Wirtschaftsstandorts Deutschland zu diskutieren – von Künstlicher Intelligenz und Innovation über Nachhaltigkeit und internationale Wettbewerbsfähigkeit bis hin zu Kreativität und unternehmerischem Mut.

Einen Gedanken nahm Neumueller aus den Gesprächen besonders mit: „Mut ist die Bereitschaft zum Kontrollverlust.“ Der Satz stammt von Jean-Remy von Matt, Mitgründer der Hamburger Kreativ- und Werbeagentur Jung von Matt und einer der bekanntesten deutschen Werber.

Für Neumueller bringt dieser Gedanke eine Herausforderung auf den Punkt, die gerade auch für Familienunternehmen und den deutschen Mittelstand von Bedeutung ist: Wie viel Planung und Kontrolle braucht ein Unternehmen – und wann wird die Bereitschaft notwendig, Entscheidungen zu treffen, obwohl noch nicht alle Variablen bekannt sind?

KI als Treiber fundamentaler Veränderung

Den inhaltlichen Auftakt machte Andreas Renner, Leiter der Steinbeis Augsburg Business School, mit seinem Impuls „ChAInge“. Im Mittelpunkt stand Künstliche Intelligenz als eine Technologie, die bisherige Vorstellungen von Veränderung und Transformation zunehmend infrage stellt.

Mit Andreas Weißenbacher, Gründer und CEO der international tätigen Wassertechnologie-Gruppe BWT, rückte anschließend das Zusammenspiel von Technologie und Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt. Weißenbacher hatte 1990 im Rahmen eines Management-Buy-outs den Grundstein für die heutige BWT gelegt und das Unternehmen zu einer international tätigen Gruppe für Wassertechnologie entwickelt.

Eine weitere Perspektive auf die technologische Transformation brachte Agnes Heftberger, Corporate CEO von Microsoft Deutschland und Österreich, ein. Die österreichische Managerin wechselte nach mehr als 20 Jahren in verschiedenen internationalen Führungspositionen bei IBM zu Microsoft. In Starnberg beschäftigte sie sich mit der Frage, ob Künstliche Intelligenz eine massive Revolution auslösen wird und welche Chancen sich daraus für den Standort Deutschland ergeben.

Deutschland und die internationale Wettbewerbsfähigkeit

Einen Blick auf die unterschiedlichen strategischen Ansätze deutscher und US-amerikanischer Unternehmen warf Peter Harf, Chairman und Managing Partner der JAB Holding. JAB verwaltet Beteiligungen der Unternehmerfamilie Reimann und ist international unter anderem in Konsumgüter- und Gastronomieunternehmen investiert.

Für Neumueller schloss daran eine der zentralen Fragen des Tages an. Achim Berg, ehemaliger BITKOM-Präsident, stellte die Frage, warum Deutschland zwar über erhebliche Innovationsfähigkeit verfügt, sich beim Go-to-Market jedoch häufig schwertut. Berg war zuvor unter anderem Vorstandsvorsitzender von Arvato, Vorstandsmitglied bei Bertelsmann und Deutschlandchef von Microsoft.

Gerade für Familienunternehmen und den Mittelstand berührt diese Frage einen entscheidenden Punkt: Technologische Kompetenz und die Fähigkeit zur Innovation reichen im internationalen Wettbewerb allein nicht aus. Innovationen müssen auch den Weg in den Markt finden.

Neumuellers Beobachtung hierzu: In Deutschland besteht häufig der Anspruch, zunächst möglichst sicher zu sein, dass etwas funktioniert. Andere probieren etwas aus, um herauszufinden, ob es funktioniert.

„Kreativität ist Ungehorsam“

Einen besonderen Akzent setzte Jean-Remy von Matt, Mitgründer der 1991 gemeinsam mit Holger Jung gegründeten Agentur Jung von Matt. Von Matt gehört zu den prägenden Persönlichkeiten der deutschen Werbe- und Kreativbranche und verband seinen Vortrag mit einer klaren These:

„Kreativität ist Ungehorsam. Und davon brauchen wir mehr!“

Für Neumueller verbindet sich dieser Gedanke unmittelbar mit der Frage nach unternehmerischem Mut.

Mut bedeutet nicht, Risiken auszublenden. Er zeigt sich vielmehr in der Fähigkeit, Entscheidungen auch dann zu treffen, wenn noch nicht sämtliche Variablen bekannt sind: eine Idee auf den Markt zu bringen, obwohl sie noch nicht perfekt ist, eine Entscheidung zu treffen, obwohl keine Excel-Tabelle eine eindeutige Antwort liefert – und Kontrolle dort loszulassen, wo sie unternehmerische Entwicklung zu verhindern beginnt.

Joe Kaeser und die Deutschland-Agenda 2030

Den Blick auf die übergeordnete wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands richtete Joe Kaeser, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Siemens Energy AG und Daimler Truck und ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Siemens AG. Im Rahmen einer Q&A-Session ging es um die Frage, warum Deutschland eine „Deutschland-Agenda 2030“ braucht und wie eine solche Agenda aussehen könnte.

Damit fügte sich auch dieser Beitrag in die übergeordnete Fragestellung der Starnberger See Gespräche ein: Was muss sich verändern, damit die deutsche Wirtschaft unter neuen technologischen und geopolitischen Rahmenbedingungen ihre Zukunft erfolgreich gestalten kann?

Was Familienunternehmen daraus mitnehmen können

Für Marco Henry Neumueller blieb nach den Starnberger See Gesprächen insbesondere ein Gedanke:

„Vielleicht brauchen wir nicht weniger Kontrolle. Vielleicht müssen wir besser darin werden zu erkennen, wann wir sie loslassen müssen.“

Gerade Familienunternehmen stehen traditionell für langfristiges Denken, Verantwortungsbewusstsein und Kontinuität. Gleichzeitig müssen sie heute Entscheidungen über Künstliche Intelligenz, neue Technologien, Nachhaltigkeit, Geschäftsmodelle und internationale Wettbewerbsfähigkeit unter Bedingungen treffen, bei denen sich Entwicklungen immer weniger zuverlässig prognostizieren lassen.

Die Herausforderung besteht deshalb nicht darin, Planung und Kontrolle aufzugeben. Entscheidend ist vielmehr, den Punkt zu erkennen, an dem zusätzliche Absicherung keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn mehr bringt – und unternehmerischer Mut gefragt ist.

Die Starnberger See Gespräche boten dafür sehr unterschiedliche Perspektiven aus Technologie, Unternehmertum, Kreativwirtschaft und Industrie.

Bild: Steinbeis Augsburg Business School