Zahnräder

Produktion in Zeiten von Corona: (Familien-)Unternehmen müssen für Stabilität in ihren Abläufen sorgen

Veröffentlicht von

Die Corona-Pandemie versetzt die deutsche Wirtschaft in eine Schockstarre. Die Angst vor einer neuen Euro-Krise wächst. Hinzu kommt ein Engpass in der Rohstoffversorgung und eine Unterbrechung der Lieferketten. Die Liquidität mancher Unternehmen steht auf dem Spiel.

“Im produzierenden Gewerbe läuft es noch einigermaßen, die Rohstoffversorgung und die Logistik werden jedoch von Tag zu Tag langsamer.” 

Reinhold von Eben-Worlée, Vorsitzender des Verbandes der Familienunternehmen in Deutschland in einem Interview mit “Die Welt”

Was es nun in der produzierenden Industrie braucht, sind Führungskräfte, die schnelle Entscheidungen treffen um ihre Abläufe zu stabilisieren.

Während in China mehr als 80% der Werke schon wieder die Produktion hochfahren, erleben wir in Deutschland das Herunterfahren der Produktion in einer Vielzahl von Betrieben. Es reicht häufig nicht mehr, die Abläufe und Prozesse anzupassen, um die Ansteckung und die Gesamtauswirkung auf die Produktionsmitarbeiter zu minimieren. Wir befinden uns bereits in der “Lockdown” Phase, in welcher die Unternehmen versuchen, die Produktion zumindest auf einem einigermaßen ausreichenden Niveau zu halten. Andere Unternehmen schließen ihre Werke allerdings komplett. Staatliche Maßnahmen mögen den Kostendruck mindern. Dies setzt allerdings voraus, dass diese Gelder schnell und unbürokratisch bei den Betroffenen ankommen.

“Nur wenn der Staat rasch und unbürokratisch Liquiditätshilfen auszahlt, können Corona-bedingte Insolvenzen vermieden werden. Weil Kreditinstitute und Förderbanken einen noch nie dagewesenen Ansturm zu bewältigen haben, müssen Bund und Länder den Mut zu Pauschalbewilligungen im Schnellverfahren haben.”

Prof. Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen in einem Beitrag in “Die Welt”

Sobald man die Lage im Griff hat, wird die Produktion mindestens wieder auf das Niveau vor der Krise hochgefahren werden.

Produzierende Unternehmen müssen nun schnell ein handlungsfähiges Team mit einer klaren Entscheidungsbefugnis zusammenstellen, das in dieser speziellen Situation die Kontrolle übernimmt. Es braucht absolute Transparenz über die Wertströme, indem betriebliche und finanzielle KPIs in Echtzeit überwacht werden. Die Priorisierung einzelner Aktivitäten muss situativ entschieden werden. Entscheidungen müssen im jeweiligen Moment und als Antwort auf die jeweils vorliegende Situation getroffen werden.

Um die Stabilisierung bestmöglich zu unterstützen, sollten Unternehmen nun verschiedene Maßnahmen ergreifen:

Ihre Mitarbeiter verdienen besondere Aufmerksamkeit! Stellen Sie sicher, dass Hygienevorschriften ausreichend kommuniziert und eingehalten werden. Eine sichere Arbeitsumgebung ist nun eine Grundvoraussetzung. Achten Sie darauf, dass Mitarbeiter den nötigen Mindestabstand einhalten; dies gilt auch dann, wenn sie betriebsbedingt reisen müssen. Um die Produktion am Laufen zu halten, sollte die Verfügbarkeit entsprechender Personen gewährleistet sein. Haben Sie die Verfügbarkeit und Abwesenheit von Schlüsselpersonen im Blick. Wenn Wartungsmaßnahmen an Maschinen durchgeführt werden müssen, die entscheidenden Personen aber fehlen, steht die Produktion im Zweifel still. Planen Sie auch bereits die Zeit nach der Krise, wenn Sie die Produktion wieder auf ihr ursprüngliches Niveau hochfahren wollen. Wenn die hierfür notwendigen Ressourcen fehlen, kommt es zu unnötigen Verzögerungen.

Stellen Sie die Materialverfügbarkeit sicher! Verkürzen Sie die Produktionsplanungszyklen und erstellen Sie Notfall-Szenarien. Tägliches Handeln ist nun gefragt. Lieferantenaufträge, Produktionsabläufe und Abrufe müssen nun an Hand eines täglichen Produktionsplans überwacht und angepasst werden. Auch müssen täglich Lieferanten- und Materialengpässe identifiziert und nachgehalten werden.

Achten Sie auf Ihre Maschinenverfügbarkeit! Um die Produktionsfähigkeit während und nach der Krise sicherzustellen, sollten Sie nun besonderes Augenmerk auf Wartungsarbeiten legen. Systemrelevante Prozesse und der Betrieb von kritischen Systemen muss gewährleistet sein. Erstellen Sie Backup-Pläne für kritische Wartungsarbeiten an Produktionsmitteln, Anlagen und IT-Systemen.

Verhalten Sie sich compliant! Verschieben Sie unkritische Compliance-Audits um ein bis drei Monate. Wenn Sie außerhalb der üblichen Zeiten produzieren wollen, prüfen Sie bitte, ob Sie dafür entsprechende Genehmigungen brauchen. Benennen Sie im Unternehmen einen zentralen Ansprechpartner für die Interaktion mit Regierungsstellen und Behörden. Bitten Sie die Regierung bei Bedarf um finanzielle oder steuerliche Unterstützung.

Kommunikation ist der Schlüssel! Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen. Ihre Mitarbeiter sind maximal verunsichert. Entwerfen Sie eine Strategie zur Kommunikation mit Mitarbeitern, aber auch mit allen anderen wichtigen Stakeholdern. Die Kommunikation muss in Echtzeit gewährleistet sein. Nutzen Sie dafür die richtigen Kanäle um alle kontinuierlich auf dem Laufenden zu halten. Informationen sollten täglich aktualisiert werden. Die Häufigkeit sollte angepasst werden, wenn es die Situation erfordert.

Kommentar verfassen