Florian vom Bruch (Buben & Zorweg) mit Dr. Marco Henry Neumueller

Florian vom Bruch im FiFo Talk: „Sehr ausgefallene Kundenwünsche gehören bei uns zum Geschäft“

Veröffentlicht von

Florian vom Bruch ist CEO der BUBEN&ZORWEG GmbH in Pforzheim.

Marco Henry Neumueller: Du bist 2019 als externer Geschäftsführer bei BUBEN&ZORWEG eingestiegen, mit dem klaren Auftrag der Gründerfamilien, das Unternehmen auf einen neuen Wachstumskurs zu bringen. Wie war es für Dich, in ein seit 1995 von Harald Buben und Christian Zorweg geprägtes Familienunternehmen hineinzukommen – und wie hat sich Deine Zusammenarbeit mit der Eigentümerfamilie seither entwickelt?

Florian vom Bruch: Da ich vorher für 7 Jahre bereits in einem anderen Familienunternehmen, welches sich damals in der Übergangsphase von der vierten in die fünfte geschäftsführende Gesellschaftergeneration befand, tätig gewesen bin, konnte ich mit einem guten Erfahrungsschatz starten.

Zu Beginn war es erfolgskritisch die beiden sehr unterschiedlichen Eigentümerfamilien gut kennenzulernen und somit auch die Empathie für gewisse Entscheidungen in der Vergangenheit und Wünsche für die Zukunft aufzubauen. Zudem habe ich auch schnell gemerkt, dass ich in meiner CEO-Rolle immer wieder auch gegensätzliche Positionen von den beiden Eigentümerfamilien vorfinden werde, die es dann galt in eine objektive Empfehlung im Sinne des Erfolgs der Unternehmensgruppe zu überführen. Hier bin ich gut in die Rolle des objektiven Beraters, Vermittlers und Impulsgebers hineingekommen. Die Etablierung einer professionellen Governance inklusive eines Beirats mit familienexternen Mitgliedern hat dabei geholfen.

Eine weitere Herausforderung zum Start war die Übernahme der oftmals über Jahrzehnte gewachsenen Beziehungen mit Lieferanten, Netzwerkpartnern und Kunden. Hier musste ich natürlich bei allen externen Stakeholdern Vertrauen aufbauen, um schrittweise unsere neue Ablauf- und Aufbauorganisation mit den jeweils neuen Rollen der Eigentümer auch umzusetzen. Dies ist rückblickend in Summe aber wirklich gut gelaufen.

Gerade wenn man sich unsere Hybridkonstellation vor Augen führt. Mit meinem Einstieg als CEO und dem Teamwork mit meinem CFO-Kollegen haben wir die Transformation in ein managementgeführtes Unternehmen vollzogen. Jedoch haben die Eigentümer aufgrund ihres damaligen jungen Alters von Anfang 50, und ihrer nach wie vor vorhandenen vertrieblichen Leidenschaft, ihre operative Sales-Verantwortung für ihre jeweils über 20 Jahre aufgebauten Vertriebsregionen behalten und berichten in dieser Rolle operativ an mich. Mittlerweile sind wir ein sehr gut eingespieltes Team aus Beirat und Geschäftsführung und auch die Hybridkonstellation mit den Salesrollen der Eigentümer ist für uns als Unternehmen ein Erfolgsmodell. 

Marco Henry Neumueller: BUBEN&ZORWEG ist heute in mehr als 75 Ländern präsent, mit eigenen Standorten unter anderem in Shanghai, Singapur, Dubai und New York – und das aus einer Manufaktur im beschaulichen Pforzheim heraus. Wie ist es Dir gelungen, aus Deutschland heraus so schnell so international zu werden, und was waren die entscheidenden Wegmarken auf diesem Weg?

Florian vom Bruch: Die starke Internationalisierung liegt in der DNA unserer Eigentümer. Harald Buben hat z.B. schon in relativ jungen Jahren alle 196 Länder der Erde bereist und verfügt über ein unfassbar großes Netzwerk.

Insoweit habe ich den internationalen Expansionsspirit einfach weitergeführt und mit einer professionellen, methodischen Prüflogik bzgl. Markteintritt- und Markterweiterung kombiniert. Damit konnten wir in den letzten 7 Jahren sehr gut die internationalen Potenziale insbesondere in den USA, Middle East (Dubai, Riad) und Asien (Singapur, Bangkok, Hongkong) mit jeweils regional zugeschnittenen Standort- und Vertriebsmodellen heben. Unsere Exportquote liegt deutlich über 90%.

Pragmatische, schnelle Entscheidungen und ein gewisser Mut waren hierbei wichtig. Derzeit schauen wir uns Indien intensiver an. Auswahl, Onboarding und Führung der lokalen Mitarbeiter und Teams ist immer wieder eine Herausforderung und braucht definitiv Management Attention. 

Beim Thema Internationalisierung des Vertriebsmodells ist zudem auch das Thema Vertikalisierung unserer Global Sales Struktur anzusprechen. Hier konnten wir in den letzten Jahren einige wichtige Meilensteine für ein mittlerweile sehr ausgereiftes Omnichannel Vertriebsmodell realisieren. Neben unseren historischen Stärken im weltweiten Fachhandel für Uhren & Schmuck haben wir mittlerweile auch die Kanäle Architekten / Interior Designer / Property Developer und die Endkundenbetreuung über digitale Kanäle, oftmals in enger Zusammenarbeit mit unseren Tophändlern, sehr gut etabliert.          

Marco Henry Neumueller: Euer Qualitätsversprechen reicht von der TIME MOVER®-Technologie über eine Bibliothek mit Einstellungen für rund 12.000 Uhrenmodelle bis zur VdS-Zertifizierung Deiner Tresore – und Du wirbst mit ‚ Made in Germany‘. Was bedeutet Qualität für Dich über reine Material- und Verarbeitungsgüte hinaus?

Florian vom Bruch: Der Qualitätsbegriff ist unserem Metier in der Tat sehr weit gefasst und geht deutlich über das Kernprodukt hinaus.

Wenn unsere Kunden in ein B&Z Meisterstück investieren und daraus ihr ganz persönliches Meistwerk kreieren, haben sie zu Recht allerhöchste Ansprüche – insbesondere an die gesamte Reise mit uns als Marke.

Hierbei gilt es, dass wir als Team in jedem einzelnen Kundenkontaktpunkt ein exzellentes Servicelevel realisieren. Das beginnt mit einer schnellen und fundierten Antwort auf Rückfragen im Konfigurationsprozess und geht bis zur Transportplanung und Installation des neuen Safes beim Kunden vor Ort. German Excellence bedeutet für uns daher auch mehrwertstiftende Services rund um das Kernprodukt anzubieten, wie z.B. die von Dir genannte Datenbank mit den ca. 12.000 Uhrenmodellen zur Erleichterung von Individualeinstellungen der Uhrenbewegertechnik für spezielle Uhrenmodelle.

Qualität bedeutet in unserem Geschäftsfeld natürlich auch Sicherheit. Hierbei geht es um Diskretion, Datensicherheit und noch vieles mehr.

Marco Henry Neumueller: Ein einzelner Safe kann bei Euch bis zu 200 Arbeitsschritte durchlaufen, und die Designwünsche reichen von Art déco bis Rock ’n‘ Roll – bis hin zu Gesteinen vom Mount Everest, die ein Kunde in sein Objekt einarbeiten ließ. Wie weit darf und soll Individualisierung gehen, und wo verläuft für Dich die Grenze zwischen echter Manufakturarbeit und dem, was betrieblich noch beherrschbar bleibt?

Florian vom Bruch: Das Thema der Individualisierung der Safes bis hin zu kompletten Bespoke Objekten im Sinne einer völligen Unikatsfertigung (Technisch bzgl. Technologien und Vermaßung sowie Ästhetisch bzgl. Design und Materialien) hat in den letzten fünf Jahren stark zugenommen.

Hier haben wir selbst eine natürliche Lernkurve durchlaufen und wir können heute deutlich präziser prüfen, ob sehr ausgefallene Kundenwünsche in der notwendigen Qualität und dem skizzierten kommerziellen Rahmen zu erfüllen sind. Und ob sie zudem natürlich auch den Kunden langfristig glücklich machen, um es einmal im übertragenen Sinne zu formulieren.

Die Grenze der Realisierbarkeit können wir auf Basis der Erfahrungen heute deutlich besser ziehen und definieren diese dort, wo Technik, Funktionalität und langfristige Materialqualität keinesfalls gefährdet sind. Um diese unverrückbaren Grundparameter herum erfüllen wir sehr gerne per Handarbeit die vielfältigsten Kundenwünsche und lassen unsere Kunden auch zum Co-Entwickler und Co-Designer werden. Diese Prozessbegleitung erfüllt die Kunden mit unglaublicher Faszination.    

Marco Henry Neumueller: 2025, im 30. Jubiläumsjahr, habt Ihr eine neue, hochmoderne Manufaktur in Pforzheim eröffnet – ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland, während andere Hersteller ihre Fertigung ins Ausland verlagern. Was hat diese Entscheidung getragen, und was würdest Du Unternehmern entgegnen, die den Standort Deutschland für die Fertigung von Konsumgütern für nicht mehr wettbewerbsfähig halten?

Florian vom Bruch: Für uns war immer klar, dass der nächste Entwicklungsschritt für die Marke Buben&Zorweg in Verbindung mit dem Neubau einer Manufaktur nur in Deutschland und speziell nur in der Region um Pforzheim / Stuttgart erfolgen kann.

Die globale Begehrlichkeit unserer handgefertigten Objekte basiert auf einer einzigartigen Kombination von feiner Handwerkskunst edelster Materialien, technologischer Ingenieurskunst und außergewöhnlichem Design. Für diese spezielle Kombination mit dem Anspruch das höchstmögliche Qualitätslevel zu erreichen, für welches unsere Kunden sich begeistern und sich dann über Jahrzehnte daran erfreuen, ist Deutschland und eben speziell die Region Baden-Württemberg mit der großen Dichte an Handwerksmeistern, Oberflächenexperten, Technologie-Know-how und Designern der ideale Standort.

Mir ist jedoch auch sehr bewusst, dass wir im Vergleich zu anderen mittelständischen Unternehmen andersartige Strukturkosten in der Fertigung haben (z.B. relativ geringer Energieverbrauch) und wir in unserem Premiumbereich mit Kleinserien und limitierten Mengen auch eine andere kommerzielle Wettbewerbssituation als im Massenmarkt vorfinden.

Letztendlich muss das jeder Unternehmer für sein Geschäftsmodell bewerten. Sicherlich müssen alle Beteiligten inkl. der Politik, Gewerkschaften etc. aber auch für eine insgesamt bessere Wettbewerbsfähigkeit des Produktionsstandortes Deutschland die Ärmel maximal hochkrempeln. Einige Unternehmen, Mitarbeitergruppen und Interessenvertretungen haben dies mitunter verlernt.           

Marco Henry Neumueller: Du warst 2019 angetreten, um den Umsatz von BUBEN&ZORWEG bis 2025 deutlich auszubauen und einen Manufakturneubau zu realisieren. Wenn Du zurückblickst: Wo steht das Unternehmen heute im Vergleich zu Deinem Antritt, und was ist die nächste große Wegmarke für BUBEN&ZORWEG?

Florian vom Bruch: Wenn ich auf die Ausgangssituation in 2019 zurückblicke, muss man erwähnen, dass das Unternehmen sich in einer gewissen „strategischen Orientierungslosigkeit“ bzw. „Sackgasse“ befand.

Es wurden in den fünf Jahren vor meinem Antritt sehr viele neue Produkte in den Markt eingeführt und auch versucht, komplett neue Produktsegmente zu erschließen (Stichwort u.a. Armbanduhren, Wanduhren, Humidore) sowie auch mit einer Zweitmarke in gewissen Ländern experimentiert. Die Ideen waren durchaus valide, aber vieles war nicht ganzheitlich, sprich kommerziell / marktseitig sowie technisch / operationsseitig, durchdacht und integriert umgesetzt. 

Insoweit stand zunächst einmal die Aufgabe an, mit einem fundierten und gleichzeitig mittelstands-pragmatischen Strategieprozess die notwendigen Entscheidungen und Ressourcenallokationen in den Bereichen Geschäftsfelder, Produktlinien, Technologien, Vertriebsmodelle und -regionen etc. herbeizuführen, um in eine nachhaltige, profitable Wachstumsphase zu gelangen.

Dies ist uns als Organisation glücklicherweise mit dem klaren Fokus auf exklusive Manufaktur-Safes für Uhren & Schmucksammler, Uhrenbeweger sowie die Kombination aus Safe und Uhrenbeweger für Unikatsobjekte sehr gut gelungen.

Als Folge aus guten strategischen Entscheidungen und operativer Exzellenz in der Umsetzung konnten wir dann Umsätze und EBIT-Margen in der Tat kontinuierlich signifikant steigern.    

Wenn man meine bisherige Zeit bei B&Z historisch einordnet, dann konnte ich mit dem Team den dritten großen Transformationsschritt gestalten. 1995 starteten unsere Eigentümer mit B&Z 1.0 als Händler von Opalen und Etuis. Es folgte B&Z 2.0 als Hersteller von Uhrenbewegern, Zeitobjekten und vielem mehr.
In den letzten nun fast 8 Jahren konnten wir das Unternehmen in die Ära B&Z 3.0 überführen. In dieser sind wir zur weltweit führenden Luxusmarke für Uhren- & Schmucksafes und Uhrenbeweger sowie zum anerkannten Industriepartner für einige der renommiertesten Luxusmarken geworden. Der erfolgreiche Neubau der Manufaktur und Headquarter hat diesen Transformationsschritt maßgeblich geprägt.

An einem Zielbild für die nächste große Wegmarke, B&Z 4.0 sozusagen, arbeiten wir gerade fleißig und vielschichtig mit den Eigentümern und dem Führungsteam. Ich bin selbst gespannt, wie die Reise weitergeht.      

Marco Henry Neumueller: Ganz herzlichen Dank für diesen spannenden Einblick in eine ganz andere Welt.