Hände geben und nehmen Staffelstab

Stiefkind Nachfolgeplanung – auch in Österreich

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Dass die Nachfolge in deutschen Familienunternehmen häufig nicht geregelt ist, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Mehr noch: Der Mittelstand verliert die Scheu vor Private-Equity-Investoren. Eine PwC-Umfrage unter mehr als 300 inhabergeführten deutschen Unternehmen gelangt zur Erkenntnis, dass sich inzwischen 83 Prozent eine Beteiligung von Finanzinvestoren vorstellen können. An dieser Stelle muss darauf hingewiesen werden, dass es vor sechs Jahren lediglich 18 Prozent waren.

Doch auch in Österreich bleibt die Nachfolgeplanung Stiefkind der Familienunternehmen. Wie so häufig: Gerade die 1. Generation (also die Gründer) tun sich schwer mit der Übergabe des Zepters. Den Grund alleine bei der Gründergeneration zu suchen wäre jedoch zu einfach. Nicht selten ist es das fehlende unternehmerische Gen oder schlichtweg das Interesse der Erbengeneration.

Lediglich etwa 50 Prozent der österreichischen Familienunternehmen hat die Nachfolge klar geregelt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der LGT Bank Österreich zusammen mit dem Beratungsunternehmen EY unter 93 Familienunternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern. Während besonders in der ersten Generation das Hauptaugenmerk vornehmlich darauf lag, den Aufbau des Unternehmens voranzutreiben, ist die Nachfolge in der dritten Generation deutlich öfter geregelt.

Ganz grundsätzlich sei es für zwei Drittel wichtig, das Unternehmen innerhalb der Familie zu übergeben. Umso wichtiger ist eine rechtzeitige Planung der Übergabe

“Oft wird zu lange gewartet”

Dietmar Baumgartner, Co-Geschäftsführer LGT Bank Österreich

Gerade beim Thema Innovation wird es jedoch dunkel. Lediglich 37 Prozent der befragten Familienunternehmen erwarten vom Unternehmensnachfolger eine Transformation des Geschäftsmodells.

Über 60 Prozent klagen darüber, dass sie keine geeigneten Führungskräfte finden, was sie für genauso problematisch wie die Nachfolgeplanung empfinden. Besonders große Unternehmen leiden darunter.

” Das hat sich in den letzten Jahren zugespitzt.”

Erich Lehner, Managing Partner bei EY Österreich

Schwierig wird es insbesondere dann, wenn die Familie sehr klare Vorstellungen hat. Dies kollidiert nicht selten mit der Erwartungshaltung von Top-Managern, gestalten zu können. Hier bleibt oft zu wenig Raum.

Umso wichtiger ist die kulturelle Passung von Führungskräften in Familienunternehmen. Selten scheitern diese alleine am Markt oder an ihren Fähigkeiten.

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